Die beste Kamera für Streetfotografie

Was ist die beste Kamera für street photography? Womit fotografierst du? Welche Kamera empfiehlst du? Diese Fragen werden mir am meisten gestellt. In den letzten Jahren habe ich viele Kameras ausprobiert. Immer auf der Suche nach der „besten“ Kamera. Heute kann ich sagen, der häufige Kamerawechsel hat mich nicht zum besseren Fotografen gemacht. Gute Streetfotografie hat wenig mit der verwendeten Ausrüstung zu tun.

Ich möchte gerne von einigen Erfahrungen auf meiner Suche nach der besten Kamera für Streetfotografie erzählen.

Minimal – Die beste Kamera für Street Photography ist die Kamera, die du nutzt.

Die Kamera, die du jetzt besitzt passt schon. Streetfotografie stellt keine besonderen Ansprüche an eine Kamera. Sportfotografie oder Tierfotografie mag mit einem Smartphone oder einer kleinen Kompaktkamera unmöglich sein, für Strassenfotografie funktioniert das gut.

Das Bild oben habe ich mit einem Smartphone gemacht. Und das – aus heutiger Sicht veraltete – Smartphone war gut genug, diese wunderbare Lichtstimmung einzufangen. Wichtiger für den Erfolg des Bildes war, dass ich 20 Aufnahmen gemacht habe und bereit war, mich vom Rasensprenger nass spritzen zu lassen, während ich auf den besten Moment wartete. Es stimmt also. Was immer du für eine Kamera (dabei) hast, sie wird gut genug sein.

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Iphone 5 – Szene beim morgendlichen Laufen

Maximal – Die beste Street Photography Kamera überhaupt.

Was zeichnet die ideale Kamera für Straßenfotografie aus?

  • klein und unauffällig
  • ein großer Sensor
  • wasserdichtes Gehäuse
  • rauscharme Bilder auch hohen ISO Zahlen
  • lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • schneller Autofokus
  • einen lautlosen Verschluss

Leider gibt es diese Kamera nicht zu kaufen. Selbst wenn dein Budget  nicht begrenzt ist, musst du irgendwo Kompromisse machen. Oder wie in unserem Berlin1020 Kollektiv gerne sagen: Irgendwas ist immer.

Die beste Kamera für Streetfotografie ist die, die dir gefällt.

Strassenfotografen in aller Welt nutzen Kameras, die oft weit vom Ideal abweichen. Analoge Kameras – von der Kompaktkamera, bis hin zur Mittelformatkamera, digitale Spiegelreflexkameras, Smartphones etc. Es ist nicht so, dass diese Fotografen es nicht besser wüssten oder kein Geld hätten. Nein, ihre Kamerawahl ist ein Ausdruck ihres persönlichen Stils. Alles geht.

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Leica M 240 und 35mm Cron – großartig, aber nichts für mich

Fotografiere mit Film, fotografiere mit Leica, fotografiere mit Mittelformat, nimm dein Smartphone, nimm einfach, was immer dir gefällt.

Ich habe viele Kameras ausprobiert. Und die meisten Kameras haben ihre Sache gut gemacht. Aber einige Kameras gefielen mir einfach nicht. Ich habe versucht, diese Kameras zu mögen, weil sie so gut funktionierten. Oder ich versuchte sie zu mögen, weil sie einen Ruf wie Donnerhall hatten.

Leica war die Kamera der Wahl für Street Photography Legenden wie Henri Cartier Bresson, Bruce Gilden and Alex Webb. Sicherlich wäre eine Leica auch die richtige Kamera für mich. Zu meiner Überraschung kam ich mit Leica nicht klar. Schlimmer ich mochte Leica Kameras nicht gerne nutzen. Natürlich macht Leica wunderbare Kameras und Objektive – nur eben nicht für mich. Schließlich akzeptierte ich, dass es etwas Wichtigeres gab, als überragende technische Eigenschaften oder einen tollen Markennamen.  Die Freude mit einer Kamera zu fotografieren –  eine sehr persönliche und subjektive Sache.

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Fuji X100S – Je suis Charlie, Berlin

Dies Bild habe ich in Berlin vor der französischen Botschaft ausgenommen. Es war die Nacht nach dem Terrorangriff auf Charlie Hebdo in Paris. Hier musste ich mit hohen ISO Werten arbeiten. Der lautlose Verschluss erlaubte mir nahe ran zu gehen, ohne zu stören oder abzulenken. Für dieses Bild habe ich eine Fuji X100S benutzt. Die Fuji 100 Serie ist unglaublich beliebt unter Strassenfotografen. Ich habe alle 4 Modelle besessen. Auch wenn die ersten Modelle der X100 Serie wirklich deutliche Schwächen hatten, ich habe mit jeder Fuji X100 gerne fotografiert.

Empfohlene Kameras für Streetfotografie

Lass uns über einige Kameras für Streetfotografie, die auf dem Markt sind, reden.

Ricoh GR

Lange Zeit war die Ricoh GR meine  bevorzugte Kamera für Strassenfotografie.Die Ricoh GR ist zu Recht unter Straßenfotografen weltweit  sehr beliebt.

Was ich besonders an der Ricoh GR mag:

  • klein und leicht
  • großartige Bildqualität
  • extrem leise
  • APS-C Sensor

Es ist die einzige Kamera, die ich kenne, die sich vollständig mit einer Hand bedienen lässt. Blitz und Blitzstärke lassen sich manuell einstellen. Das bedeutet bei Streetfotografie mit Blitz kann ich alle Einstellungen manuell steuern, was meine bevorzugte Wahl ist.

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Die Ricoh GR – ein moderner Klassiker

Dies Bild machte ich auf dem Weg zum Flughafen. Ich trug einen Koffer und eine Umhängetasche. Eine freie Hand reichte aus.

Auch die Ricoh GR ist nicht perfekt. Staub auf dem Sensor kommt häufiger vor. Die Ricoh GR ist so leicht, dass man beim Auslösen gerne verwackelt. Und mit f2.8 ist hat sie auch sicher nicht das lichtstärkste Objektiv. Und sicher sind 16MP auf einem APS-C Sensor heute nicht mehr zeitgemäß. Die Ricoh GR hat seit Jahren keine ernsthafte Modellpflege erfahren.

Ein neues Modell der Ricoh GR wird Anfang 2019 erscheinen.

Dennoch bleibt die Ricoh GR in der heutigen Version eine exzellente Wahl für Straßenfotografen und gerade gebraucht lässt sich die Ricoh GR sehr preiswert erwerben.

Fuji X100F – Mein Favorit

Die Fuji X100F ist das vierte Modell der X100 Serie, Fuji hat die X100 kontinuierlich verbessert und gleichzeitig die Vorzüge des Modells bewahrt. Und die harte Arbeit von Fuji zahlte sich aus. Es macht unglaublich viel Spass mit der Fuji X100F zu fotografieren.  Zur Zeit ist die Fuji X100F meine bevorzugte Kamera für Streetfotografie. Wo immer ich hingehe, ich habe die Fuji dabei. Was ich besonders mag:

  • Der Verschluss ist lautlos.
  • Das Objektiv ist mit einer Anfangsblende von f2 lichtstark.
  • Der Autofokus ist schnell und funktioniert auch bei schlechtem Licht zuverlässig.
  • Die Kombination aus elektronischem Sucher und Messsucher.
  • Die Bildqualität ist fantastisch.
  • 24 MP APS-C Sensor
  • Gutes Verhalten bei hohen ISO Werten.
  • Wunderbare Ergonomie, die Kamera lässt sich extrem gut bedienen.
  • Tolle Haptik
  • Kompaktes Gehäuse, die Kameratasche bleibt zu Hause.
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Fuji X100F – Endlich ein schneller und zuverlässiger Autofokus bei der Fuji X100

Natürlich ist auch die Fuji X100F nicht perfekt: Das Gehäuse ist nicht abgedichtet. Das Display lässt sich nicht klappen und das Objektiv ist extrem anfällig für Lensflares. Und doch ist die Fuji X100F die Kamera, die ich im Moment am häufigsten für Street Photography einsetze.

Kameras und Kamerasysteme in der Streetfotografie Szene

Natürlich ist meine Meinung nur eine Meinung.  Von daher möchte ich einen kleinen Überblick geben, welche Kameras und Kamerasysteme in der internationalen Streetfotografie Szene beliebt sind. Ich treffe viele Straßenfotografen, sowohl auf Reisen wie auch in Berlin. Im Folgenden die Kameras und Systeme, die ich häufig sehe  – jenseits der bereits erwähnten und unter Straßenfotografen extrem beliebten Ricoh GR und Fuji X100.

Das Micro 43 System

Viele Strassenfotografen sind mit den Modellen des Micro 43 Systems zufrieden. Ganz besonders die Olympus Modelle der EM 5 und der EM 10 Reihe sehe ich häufig. Und die Kombination aus kompakten Gehäusen, exzellenten Objektiven und sehr guter Bildqualität bei vergleichsweise moderaten Preisen macht das Micro 43 System zu einer guten Wahl für Strassenfotografie. Der große Nachteil ist das Rauschverhalten bei hohen ISO Werten, bei aller Optimierung, die relativ kleinen Sensoren fordern ihren Tribut. Die gesetze der Physik gelten ben weiterhin. Wer sich also für Strassenfotografie bei Nacht interessiert, ist mit Micro 43 nicht ideal bedient. Ansonsten ist Micro 43 ist sehr empfehlenswertes System, welches ich auch in der Vergangenheit genutzt habe.

Die Fuji X Serie

Neben der X100 Serie sind  Fuji X-Pro, Fuji X-T Serie sehr beliebt unter Straßenfotografen. Das Fuji X System ist sicher eines der Besten auf dem Markt für mirrorless Kameras. Dazu kommen Objektive wie das sehr bezahlbare und optisch exzellente  Fujinon XF 23mm F2 R WR, das sich hervorragend für Streetfotografie eignet. Und natürlich schadet es auch nicht, dass Fuji extrem aktiv in der Street Photography Szene ist und zahlreiche bekannte Straßenfotografen mit Fuji verbunden sind.

Die Leica Q

Die Leica Q kombiniert einen Vollformat Sensor mit einem lichtstarken 28mm Objektiv und Ganze in einem relativ kompakten Gehäuse. Trotz des vergleichsweise hohen Preises verwenden ziemlich viele Straßenfotografen die Leica Q wie beispielsweise mein Berlin1020 Kollektiv Bruder Christian Schirrmacher und In-Public Mitglied Siegfried Hansen. Das Feedback zur Leica Q ist überaus positiv. Wenn 28mm deine bevorzugte Brennweite ist und dich der Preis nicht abschreckt, dann ist die Leica Q durchaus eine Überlegung wert.

Was ist mit Sony?

Sony stellt eine  Reihe von mirrorless Kameras mit APS-C und mit Vollformat her. Dazu kommt ein breites Spektrum an Objektiven. Das macht das Sony System zu einer beachtenswerten Alternative, wenn man eine Kamera für Streetfotografie sucht. Wenn man den Testberichten  und ich meinen eigenen Erfahrungen – ich besitze eine Sony A7R – glauben darf, ist die Qualität der Kameras und Objektive mehr als ok. Interessanterweise sind Sony Kameras jedoch wenig verbreitet unter Straßenfotografen.

Die Bedeutung des Marketing der Hersteller

Wer sich für eine Kamera entscheidet, wird natürlich auch von Marketing und Strahlkraft der Marke beeinflusst. Und dann macht es einen Unterschied, ob man eine Kamera einer Marke kauft, die seit 100 Jahren Fotografie Geschichte schreibt oder einer Marke, deren bekanntestes Produkt der Walkman der 80iger Jahre war.

Und auch das aktuelle Marketing spielt eine große Rolle. Olympus, Ricoh, Leica und ganz besonders Fuji bearbeiten den Markt für Street Photography sehr intensiv. Sony hingegen ignoriert die Welt der Streetfotografie völlig, zumindest was Europa und die USA angeht.  Ich denke, bei Sony gehen die Abwesenheit eines auf Street Photography fokussierten Kamera Marketings und die geringe Verbreitung Hand in Hand.

Wenn wir also fragen, warum ist ein Kamerahersteller so beliebt in einer Nische, dann ist die Antwort natürlich auch in der Strahlkraft der Marke und im aktuellen Marketing zu finden. Und wenn wir eine Kamera kaufen, dann macht es Sinn eine Sekunde inne zu halten und zu fragen: Was kaufen wir? Eine Kamera System, eine Marke oder das aktuelle Marketing?

Und was ist mit Vollformat?

Es tut sich viel auf dem Markt für mirrorless Kameras im Vollformat. Mit Canon, Nikon, Zeiss und Panasonic sind vier neue Marken in diesem Segment am Start. Offen ist die Frage, ob irgendeiner der neuen Modelle wirklich besser ist, als das was bereits auf dem Markt.

Braucht man Vollformat in der Street Photography? Die Antwort ist ganz klar nein. Natürlich bietet ein größerer Sensor mehr Potenzial für bessere Bildqualität. Gleichzeitig bedeutet ein größerer Sensor zwangsläufig größeres Glass. Am Ende bedeutet Vollformat größere Systeme mit mehr Gewicht und höherem Preis. Werden die Bilder dadurch in der Praxis und für Dritte erkennbar besser? Sicher nicht in der Welt der Streetfotografie. Im Moment bietet meiner Meinung nach APS-C den ideale Kompromiss aus Preis, Kompaktheit und Bildqualität zu bieten. Ich habe in den vergangenen Jahren kein Bild mit einer M43 oder APS-C Kamera gemacht, wo ich heute denke: „Tolles Bild, hätte ich das nur mit Vollformat gemacht.“

Würde ich die die Fuji X100F in gleicher Größe und zum gleichem Preis mit einem Vollformat Sensor bekommen können, würde ich nicht zögern komplett auf Vollformat zu wechseln.  Aber eben auch erst dann.

Neu ist gut. Gebraucht ist besser.

Natürlich wollen wir das Neueste und das Beste auf dem Markt. Gleichzeitig gibt es etliche Gründe sich eine für gebrauchte Kamera zu entscheiden.

  • Eine gebrauchte Kamera ist natürlich preiswerter. Es bleibt mehr Geld für Fotobücher, Reisen oder Fotoworkshops.
  • Eine gebrauchte  Kamera lässt sich zum Einstandspreis (oder nahe dran) wieder verkaufen. Du verbrennst also kein Geld. Tatsächlich kannst eine Kamera ausgiebig testen, in dem du sie gebraucht kaufst und wenn sie dir nicht gefällt, kannst du sie ohne großen Verlust weiterverkaufen.
  • Wenn wir ehrlich sind, dann hat die Fotoindustrie in den letzten Jahren wenig Fortschritte gemacht. Im Wesentlichen wird nur verbessert: Mehr Autofokusfelder, mehr Lichtstärke, mehr Megapixel, mehr Sensor. Und man kann  wirklich nicht sagen, dass die Kameras vor 2-3 Jahren alle schlecht waren oder aus heutiger Sicht komplett veraltet.
  • Es  fotografiert sich einfach entspannter, wenn die ersten Kratzer schon da sind und der Wert der Kamera überschaubar ist.

Wenn du gerade nach einer Kamera suchst, dann wirf auch mal einen Blick auf die gebrauchten Kameras. Gerade die Ricoh GR und die Fuji X100 Serie sind seit vielen Jahren auf dem Markt und entsprechend günstig gebraucht zu erwerben.

Fazit

Es macht wenig Sinn, viel Zeit auf das Studium von Testberichten zu verwenden. Fast alle Kameras auf dem Markt sind  für Streetfotografie hervorragend geeignet. Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, dann ist wahrscheinlich nicht die Kamera das Problem. Und wie ich in meinem Streetfotografie Tipps schrieb, mit einer neuen Kamera werden deine Bilder nicht automatisch besser.

Die beste Kamera für Street Photography ist die Kamera, die du gerne in die Hand nimmst. Wenn du etwas lesen möchtest, lies die Gebrauchsanweisung. Deine Kamera gut bedienen zu können, ist tatsächlich wichtig.

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Martin ist Fotograf, Fotografie Coach und Autor. 

Seine Leidenschaft gilt der Street Photography. Und Berlin ist sein bevorzugtes Jagdgebiet.

Er ist Gründungsmitglied des Berliner Fotografen Kollektivs Berlin1020 und Herausgeber der deutschen Streetfotografie Seite.

 Mit seinen Bildern hat Martin zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Fotografie Wettbewerben gewonnen. Seine Arbeiten werden international ausgestellt.

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