Mit 15 Street Photography Tipps besseren Bildern


Streetfotografie Ratgeber lesen ist gut – Mehr Fotografieren ist besser!

Diese Street Photography Tipps sind einfach umzusetzen und wenn du ihnen folgst, dann werden deine Streetfotos besser werden.

Das Lesen allerdings reicht nicht. Ergebnisse erzielst du, wenn du auch die Arbeit reinsteckst. Besser fotografieren, heisst viel Fotografieren und die Ergebnisse kritisch überprüfen. Das ist in der Welt der Street Photography nicht anders.

Viel Spass beim Lesen!

Einfache Street Photography Tipps – große Wirkung

Ich gebe oft Fotoworkshops und ich habe beim Arbeiten mit den Workshop Teilnehmern gemerkt: Das Umsetzen ganz einfacher Street Photography Tipps führt zu deutlich besseren Bildern. Die Tipps Nr. 11 bis Nr. 14 sind besonders einfach umzusetzen.

Und hier mein erster Tipp:

Vergiss alle Streetfotografie Tipps

Das klingt paradox, schließlich kannst du jetzt aufhören zu lesen. Es bedeutet einfach nur: Bilde dir deine eigene Meinung:

Es gibt nämliche ziemlich viele fragwürdige „Vorschriften“ in der Streetfotografie. Hier ein paar Beispiele:

  • Nicht Leute von hinten fotografieren, weil das langweilig ist.
  • Nicht croppen, weil das nur zeigt, dass man beim Machen Bild den falschen Ausschnitt gewählt hat.
  • „Echte“ Street Photography ist schwarzweiss.

Tatsächlich werden Bilder, die Menschen von hinten zeigen, bei Straßenfotografie Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet (Lensculture Street Photography Awards 2017).

Der Pate der modernen Street Photography Henri Cartier-Bresson war kein Freund des Croppens. Gleichzeitig hat er sein legendäres „Pfützen-Sprung“ Bild deutlich beschnitten. Und nur durch den Crop ist dieses Bild zu einer der ikonischen Straßenfotografien des 20. Jahrhunderts geworden.

Viele Street Photography Klassiker, Bilder die wir alle kennen und schätzen, sind in schwarzweiss. Das bedeutet nicht, anspruchsvolle Streetfotografie muss in schwarzweiss sein, es heisst nur: Damals wurden vor allem Schwarzweiß-Filme verwendet. Die Frage ist also: Würde Henri Cartier-Bresson und seine Mitstreiter heute auch noch in schwarzweiß fotografieren? Das ist natürlich Spekulation. Es fällt jedoch auf: Fast alle bekannten Straßenfotografen arbeiten heute in Farbe.

Eine Definition von Street Photography

Was ist eigentlich Street Photography? Wie lautet die Definition von Street Photography? Wer Streetfotografie betreiben will, braucht eine Idee von dem, was Streetfotografie eigentlich ist.

Natürlich gibt es viele unterschiedliche Definitionen von Street Photography. Gleichzeitig können sich viele Fotografen auf die folgenden fünf Grundsätze verständigen:

1. Street Photography trifft eine fotografische Aussage über das menschliche Sein im öffentlichen Raum. Der visuelle Stil reicht dabei von dokumentarisch bis surreal.

2. Meistens sind Menschen auf dem Bild, das ist aber nicht zwingend. Ein Streetfoto kann ein Bild von einem Blatt, einem Hund oder von Wolken sein.

3. Street Photography ist nicht auf die Straße beschränkt. Bahnhöfe, Museen, der Strand, kurz jeder öffentliche Raum ist zulässig.

4. In einem Streetfoto soll nichts arrangiert oder gestellt sein.

5. Die Nachbearbeitung fällt in der Street Photography moderat aus und soll die Integrität des Bildes nicht verletzen. Elemente hinzufügen oder entfernen oder Techniken wie „selective coloring“ oder HDR werden oft abgelehnt.

Jenseits dieser Regeln liegt es ganz allein an dir, wie du Streetfotos machst. Ich finde es übrigens viel wichtiger gute Bilder zu machen, als sich über Street Photography Regeln den Kopf zu zerbrechen oder darüber zu diskutieren, ob dieses oder jenes Bild jetzt wirklich noch Streetfotografie ist.

Beobachte die Welt um dich herum aufmerksam

Fotografie ist eine visuelle Kunst. Du kannst nur fotografieren, was du auch siehst. Sieh dir Formen, Muster, Farben und das Licht in der Welt um dich herum genau an. Wo kommt das Licht her? Was für eine Qualität das Licht: Direkt oder indirekt, dunkel oder hell etc? Was für Leute sind unterwegs. Wie ist die Stimmung, sind alle eilig oder wird mehr flaniert? Das Beobachten geht über das Visuelle hinaus. Achte auf deine Emotionen. Was bei dir starke Emotionen auslöst, ist auch die Basis für ein emotional starkes Bild sein.

Lass dir Zeit, sei geduldig und aufmerksam und du wirst sehen: Die Frage „Wie fotografiere ich das?“ ist gar nicht so wichtig. Die Bilder kommen zu dir.

Street Photography Tipps Martin U Waltz Berlin

Lass dich auf die Straße ein!

Irgendwas ist immer. Die falschen Leute sind auf der Straße, zu viele oder zu wenig, das Licht passt nicht, und wenn du ehrlich bist, deine Kamera ist Mist und natürlich gilt gleiches für alle Bilder, die du machst.

Gute Straßenfotografie ist kreativ.

Wenn du beginnst, deine Umwelt und deine Bilder zu beurteilen, alles in Kategorien von gut und schlecht einteilst, endet deine Kreativität. Wenn du kreativ sein möchtest und gute Streetfotografie ist kreativ, dann brauchst du einen offenen Geist.

Das ist auch einer der Gründe, warum man seine Bilder nicht unterwegs auf der Kamera ansehen sollte, der kreative Geist weicht und das Beurteilen (gutes Bild, schlechtes Bild) beginnt. Außerdem verpasst du schnell etwas, wenn du dich auf der Straße dir deine gerade gemachten Bilder ansiehst. Auf der Straße wird fotografiert, die Bilder wertest du besser zu Hause aus.

Auf der Straße fotografieren, Bilder zu Hause analysieren.

Sei einfach da, wo du bist. Lass dich auf die Straße ein, wie sie ist: mit dem schlechten Licht, den falschen Leuten, der miserablen Kamera. Sieh, was passiert, und sieh, was du fotografieren kannst.

Tatsächlich sind dies zwei Street Photography Tipps. Ganz im Moment bleiben, das ist sehr grundsätzlich und dann ganz konkret: Auf der Straße fotografieren und die Bilder erst zu Hause bewerten.

Sieh dir Bilder von anderen an

Die Menschheit drückt sich seit Jahrtausenden durch Bilder aus. Dabei ist eine unglaubliche Menge an Bildmaterial entstanden. Malerei und Fotografie, Kinofilme, TV Serien, Musik-Videos, Werbung. Gehe in Museen und Galerien, gehe ins Kino. Nimm die visuelle Welt um dich herum wahr. Wenn du gute Streetfotos machen willst, dann hilft dir eine gute Bilder Kenntnis.

Und natürlich hilft es dir, dich mit dem fotografischen Werk der bekannten Namen der Street Photography vertraut zu machen. Hier eine kleine persönliche Auswahl:

Die Klassiker: Henri Cartier-Bresson (Magnum), Elliot Erwitt (Magnum), William Klein, Joel Meyerowitz, Gary Winogrand, René Burri (Magnum), Robert Frank, Diane Arbus und Mary Ellen Mark.

Die Modernen: Martin Parr, Trent Parke, Alec Soth, Bruce Gilden, Alex Webb, David Alan Harvey, Daido Moriyama. (Alle Magnum bis auf Daido Moriyama).

Ein Besuch der Webseite der legendären Fotoagentur Magnum lohnt sich also sehr. Wer sich für zeitgenössische Street Photography interessiert, dem empfehle ich die Webseite des inzwischen aufgelösten in-Public Kollektiv und der Webseite des Observe Collective.

Street Photography aus Deutschland findest du auf meinem Blog und auf der deutschen Streetfotografie Seite.

Moderne Streetfotografie setzt auf komplexe Komposition.

Wer sich die Bilder von Henri Cartier-Bresson und Alex Webb genau ansieht, wird festellen, dass beide Meister der Komposition sind. Beide zeichnet die Fähigkeit aus, mit scheinbarer Leichtigkeit und großer visueller Kraft die einzelnen Elemente im Bild zu ordnen. Moderne Street Photography zeichnet sich dadurch aus, dass sie Verbindungen zwischen den einzelnen Elementen und Ebenen in einem Bild herstellt. Das ist komplexe Komposition.

Lerne Komposition

Komposition ist ein Handwerk, du kannst es mit Übung lernen. Großartige Bilder gelingen dir dann, wenn du weisst wie die dein Bild füllst und wie du die Elemente im Bild anordnest. Und darum geht es bei Komposition. Gute Komposition allein macht noch kein gutes Bild, aber ein gutes Street Foto ist auch  immer gut komponiert.

Eine neue Kamera macht deine Bilder nicht besser.

Eine neue Kamera kaufen, macht Spass und ist gut für die Wirtschaft. Leider muss ich dich enttäuschen: Die beste Kamera für Street Photography ist die Kamera, die du bereits besitzt. Frag dich: „Was für tolle und großartige Bilder werde ich mit der neuen Kamera machen können, die ich heute nicht machen kann?“ Und jetzt ganz ehrlich antworten.

Deine Bilder werden durch eine neue Kamera vermutlich nicht besser. Und Kaufentscheidungen kosten neben Geld auch Zeit und Energie. Geld, Zeit und Energie kannst auch darauf verwenden, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern. Das führt dich mit Sicherheit zu besseren Bildern.

Natürlich kann es sein, dass dir eine neue Kamera neue Möglichkeiten in der Streetfotografie eröffnet. Meiner Erfahrung nach sind weniger die technische Daten und die Leistungsfähigkeit entscheidend. Was zählt ist, magst du die Kamera, macht dir das Fotografieren mit dieser Kamera Freude.

Die meisten Streetfotos sind Schrott – Das ist normal.

Wenn du den Auslöser drückst, ist das Resultat Müll – im Normalfall. Das ist bei jedem so. In der Streetfotografie ist das normal. Die Straßenfotografen, die ich ich kenne, haben Ausschussraten von 95% und mehr.

Schlechte Streetfotos sind normal. Jeder Fotograf macht schwache Bilder.

Guten Fotografen lernen aus misslungenen Bildern. Anfänger teilen schwache Bilder auf Facebook und Instagram.

Der Unterschied: Erfahrene Straßenfotografen lernen aus ihren misslungenen Bildern. Anfänger teilen ihre schwachen Bilder in den sozialen Medien. Und dann ist die Enttäuschung groß, wenn diese Bilder ignoriert werden oder wenn das Feedback kritisch ausfällt.

Regelmäßig Fotografieren

Streetfotografie ist wie ein Instrument spielen, oder eine Sportart betreiben. Jeder Erfolg ist das Ergebnis von Training, Training und noch mehr Training. Nur mit viel Übung kannst du gute Bilder machen. Und wie sagte Henri Cartier Bresson: „Man muss die Kuh viel melken, um nur ein wenig Käse zu erhalten.“

Üben, üben, üben – nur so kommst du weiter.

Lass Andere deine Streetfotos beurteilen

Natürlich möchten wir, dass alle unsere Bilder großartig sind. Immer! Und doch wissen wir, das ist nicht so. Um besser zu werden, müssen wir verstehen, was bei unseren Bildern nicht funktioniert. Die eigenen Bilder zu beurteilen, ist unglaublich schwer. Wir sind nicht die besten Kritiker unserer eigenen Arbeit.

Wenn du dich fotografisch entwickeln möchtest, dann brauchst du externes Feedback. Und es kostet Überwindung, sich für externe Kritik zu öffnen. Wichtig ist es jemanden zu finden, der in der Lage ist qualifiziertes Feedback zu geben.

Finde deine Botschaft

Was möchtest du ausdrücken mit deinen Streetfotos? Was interessiert dich? Welche Motive ziehen dich an? Die Antwort auf diese Fragen werden dir helfen, deinen eigenen Stil zu finden und weiterzuentwickeln. Nur du kannst deinen fotografischen Weg finden. Deine eigenen Bilder zu analysieren , hilft dir dabei.

Streetfotografie Tipps Martin U Waltz Berlin

Lerne deine Kamera kennen

Wenn du auf der Straße bist, dann ist deine Kamera einfach ein Werkzeug. Und dieses Werkzeug hat eine einzige Aufgabe, zu funktionieren, ohne dich abzulenken. Damit das funktioniert, musst du deine Kamera in- und auswändig kennen:

  • Belichtungsmessung
  • Autofokus
  • ISO
  • Belichtungskorrektur

All das musst du bei Bedarf schnell ändern können, nicht auf der Couch, sondern auf der Straße im regnerischen Halbdunkel. Niemand liest gerne Gebrauchsanweisungen, für erfolgreiche Straßenfotografie ist es ein Muss. Streetfotografie bedeutet schnell fotografieren zu können. Ebenso hilft enorm es, die Kamera auf deine Bedürfnisse anzupassen.

Genauso wichtig ist es die Grenzen deiner Kamera zu verstehen. Wie hoch kannst du die ISO ziehen und noch eine – für dich – akzeptable Bildqualität erreichen? Was ist die längste Belichtungszeit mit der du verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kannst?

Street Photography = Reduzieren und Fokussieren

Fotografie ist die Kunst der Reduktion. Ein Maler addiert Elemente zu einem Gemälde. Ein Fotograf subtrahiert Elemente, bis nur noch das im Bild übrig ist, was er zeigen möchte. Frag dich, welche Elemente wirklich wichtig sind für dein Bild. Versuche alle andere Elemente aus dem Bild zu nehmen. Konzentration bedeutet Verzicht. Wer alles zeigen will, zeigt nichts.

Konzentrieren und Vereinfachen

Strassenfotografie Berlin Martin U Waltz

Auf der Straße ist immer viel los. Visuelle Unruhe zerstört die Bildwirkung. Es gibt vier einfache Möglichkeiten, dich auf die wesentlichen Bildelemente zu konzentrieren, damit dein Streetfoto besser wird:

  • Gehe näher ran
  • Fotografiere von oben oder
  • Fotografiere von unten.
  • Fotografiere im Hochformat.

Vereinfachen gilt auch für deine Ausrüstung: Eine Kamera mit einem Objektiv plus zusätzliche Akkus und Speicherkarten ist alles, was du im Normalfall brauchst. Alles andere ist überflüssiges Gepäck, dass dich auf der Straße langsamer macht.

Street Photography Tipps Martin U Waltz Berlin

Bleib an der Szene dran

Wenn etwas Spannendes passiert, mache mehr als nur ein Bild. Fang an zu fotografieren, sobald es los geht, bleib dabei, beweg dich, geh näher ran und höre erst auf zu fotografieren, wenn die Szene wirklich zu Ende ist. Die Chance ein gutes Streetfoto von einer Szene zu bekommen, ist ungleich höher, wenn du aus 10 Bildern auswählen kannst.

Gute Straßenfotografie integriert den Hintergrund.

Der Hintergrund ist integraler Bestandteil jedes Streetfotos. Gute Straßenfotografie arbeitet mit dem Hintergrund. Entweder ist der Hintergrund integraler Bestandteil des Bildes oder er funktioniert wie ein Bühnenbild, das den Akteuren erlaubt, sich gut sichtbar zu entfalten.

Achte auf den Hintergrund

Im schlechtesten Fall ist der Hintergrund so unruhig, dass die gesamte Bildwirkung aufgehoben wird. Ein Streetfoto lässt sich auch sehr gut über den Hintergrund aufbauen, das hat für die Straßenfotografie von Henri Cartier-Bresson sehr gut funktioniert und das wird es auch für dich tun.

Street Photography Tipps Martin U Waltz Berlin

Sei geduldig – gute Streetfotos brauchen Zeit

Ein gutes Streetfoto ist das Zusammenspiel aus einem trainierten Auge, fotografischem Können, Beharrungsvermögen und Glück. Das braucht Zeit. Und es gibt keine Abkürzungen. Diese Street Photography Tipps sind als Anregung und Inspiration gedacht.

Wie gesagt: Der wichtigste Streetfotografie Tipp: Üben, Üben, Üben!

Fazit: Üben, üben, üben und mehr…

Ich denke, jeder kann exzellente Streetfotos machen, wenn er nur hart genug arbeitet. Das Wichtigste auf diesem Weg:

  • viel Üben,
  • das Lernen von Bildsprache und
  • die Qualität der eigenen Bilder konsequent zu hinterfragen.

Wie bei jeder Kunstrichtung geht es auch bei der Straßenfotografie darum, eine eigene Stimme zu entwickeln. Und das kannst nur du selbst. Und zum Schluss, suche die Herausforderungen, geh fotografieren, wenn andere einpacken, sieh dir dazu meinen Beitrag über Street Photography im Regen an.

Mehr zum Thema Streetfotografie findest du auf dem Street Photography Blog.

Fotograf Berlin Martin U Waltz

Martin U Waltz ist Fotograf, Fotografie Lehrer und Autor. Street Photography ist seine Leidenschaft. Die Strassen von Berlin sind Martins bevorzugtes Jagdgebiet.

Martin unterrichtet leidenschaftlich gerne Fotografie. In Berlin bietet er Street Photography Workshops und individuelle Foto Coachings  an.

Er ist Autor und Co-Autor mehrerer Bücher zum Thema Streetfotografie. Martin hat zahlreiche Fotografie-Preise gewonnen. Seine Arbeiten wurden in New York, London, Paris, Dublin, Rom und Berlin gezeigt.

 

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