Strassenfotografie: 15 Tipps für bessere Streetfotos

Martin U WaltzStrassenfotografie Tipps

Die ersten 10 Strassenfotografie Tipps schrieb ich für einen Leser meines Blogs.  Als ich begann Street Photography Workshops zu geben, merkte ich: Einfache Strassenfotografie Tipps führten zu deutlich besseren Streetfotos. Also habe ich die Liste um 5 sehr praktische und einfach umsetzbare Streetfotografie Tipps erweitert.

Viel Spass beim Lesen!

Einfache Streetfotografie Tipps – große Wirkung

strassenfotografie Tipps martin u waltz

1. Vergiss alle Strassenfotografie Tipps

Es gibt ziemlich viele fragwürdige „Vorschriften“ in der Streetfotografie. Hier ein paar Beispiele:

  • Nicht aus der Hüfte fotografieren, weil man so keine Bilder vernünftig akomponieren kann. 
  • Nicht Leute von hinten fotografieren weil das langweilig ist.
  • Nicht croppen, weil das nur zeigt, dass man beim Machen Bild den falschen Ausschnitt gewählt hat.

Tatsächlich werden Bilder, die Menschen von hinten zeigen, bei Strassenfotografie Wettbewerben mit Preisen ausgezeichnet (Lensculture Street Photography Awards 2017).

Henri Cartier-Bresson war ein Gegenger des Beschneidens. Gleichzeitig hat er sein legendäres „Pfützen-Sprung“ Bild deutlich beschnitten. Und nur durch den Beschnitt ist das Bild zu einer der ikonischen Strassenfotografien des 20. Jahrhunderts geworden.

Die Regeln für Strassenfotografie sind einfach:

  1. Der Inhalt ist eine Aussage über das menschliche Sein im öffentlichen Raum. Das kann ein Bild von einem Blatt (Matt Stuart) oder von Wolken sein.
  2. Strassenfotografie ist nicht auf die Straße beschränkt.
  3. Es müssen nicht unbedingt Menschen auf dem Bild sein.
  4. Ein Streetfoto muss „candid“ sein. Kein Element im Bild darf arrangiert oder gestellt sein.
  5. Die Nachbearbeitung soll moderat sein und darf die Integrität des Bildes nicht verletzen.  Elemente hinzufügen oder entfernen und extreme Techniken wie „selective coloring“ oder HDR sind tabu.

Jenseits dieser Regeln liegt es ganz allein an dir, wie du Streetfotos machst.

2. Beobachte die Welt um dich herum aufmerksam!

Fotografie ist eine visuelle Kunst. Du kannst nur fotografieren, was du auch siehst. Sieh dir Formen, Muster, Farben und das Licht in der Welt um dich herum genau an. Wo kommt das Licht her? Was für eine Qualität das Licht: Direkt oder indirekt, dunkel oder hell etc? Was für Leute sind unterwegs. Wie ist die Stimmung, sind alle eilig oder wird mehr flaniert? Das Beobachten geht über das Visuelle hinaus. Achte auf deine Emotionen. Was bei dir starke Emotionen auslöst, ist auch die Basis für ein emotional starkes Bild sein. Lass dir Zeit, sei geduldig und aufmerksam und du wirst sehen: Die Frage „Wie fotografiere ich das?“ ist gar nicht so wichtig. Die Bilder kommen zu dir.

3. Lass dich auf die Strasse ein!

Irgendwas ist immer. Die falschen Leute sind auf der Strasse, zu viele oder zu wenig, das Licht passt nicht, und wenn du ehrlich bist, deine Kamera ist Mist und natürlich gilt gleiches für alle Bilder, die du machst.

Wenn du beginnst, deine Umwelt und deine Bilder zu beurteilen, alles in Kategorien von gut und schlecht einteilst, endet deine Kreativität. Wenn du kreativ sein möchtest und gute Streetfotografie ist kreativ, dann brauchst du einen offenen Geist.

Das ist auch einer der Gründe, warum man seine Bilder nicht unterwegs auf der Kamera ansehen sollte, der kreative Geist weicht und das Beurteilen (gutes Bild, schlechtes Bild) beginnt. Sei einfach da, wo du bist. Lass dich auf die Strasse ein, wie sie ist: mit dem schlechten Licht, den falschen Leuten, der miserablen Kamera. Sieh, was passiert, und sieh, was du fotografieren kannst.

Streetfotografie Tipps Berlin martin u waltz

Streetfotografie Tipps lesen ist gut – mehr Fotografieren ist besser.

4. Sieh dir Bilder an!

Die Menschheit drückt sich seit Jahrtausenden durch Bilder aus. Dabei ist eine unglaubliche Menge an Bildmaterial entstanden. Malerei und Fotografie und nicht nur der Streetfotografie, Kinofilme, TV Serien, Musik-Videos, Werbung. Gehe in Museen und Galerien, gehe ins Kino. Nimm die visuelle Welt um dich herum wahr. Wenn du gute Streetfotos machen willst, dann hilft dir eine gute Bilder Kenntnis.  

5. Lerne Komposition!

Gute Komposition ist ein Handwerk, du kannst es mit Übung lernen. Grossartige Bilder gelingen dir dann, wenn du weisst wie die dein Bild füllst und wie du die Elemente im Bild anordnest. Und darum geht bei Komposition.

Moderne Streetfotografie setzt auf komplexe Komposition. 

Gute Komposition allein macht noch keine guten Bilder. Aber gute Bilder basieren fast immer auf guter Komposition.Neben den elementaren Regeln, gibt es sehr spannende und komplexe Konzepte wie die Gestalt Prinzipien.

6. Eine neue Kamera macht deine Streetfotos nicht besser!

Fotoausrüstung kaufen macht Spass und hilft der Wirtschaft. Das gilt ganz für einen neuen Fotoapparat.

Leider muss ich dich enttäuschen: Die beste Kamera für Strassenfotografie ist die Kamera, die du bereits besitzt. Die minimale Ausrüstung für Strassenfotografie: Dein Smartphone. 

Frag dich: „Was für tolle und grossartige Bilder werde ich mit der neuen Kamera machen können, die ich heute nicht machen kann?“ Und jetzt ganz ehrlich antworten..

Deine Bilder werden durch eine neue Kamera eher nicht besser. Und Kaufentscheidungen kosten neben Geld auch Zeit und Energie. Beides könntest auch darauf verwenden, deine fotografischen Fähigkeiten zu verbessern. Das führt mit Sicherheit zu besseren Bildern.

Natürlich kann es passieren, dass dir eine neue Kamera neue Möglichkeiten in der Streetfotografie eröffnet. Meiner Erfahrungnach sind weniger die technische Daten und die Leistungsfähigkeit entscheidend. Was zählt ist, magst du die Kamera, macht dir das Fotografieren mit dieser Kamera Freude.

Sieh dir Kunst an – und keine Testberichte

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7. Die meisten Streetfotos sind Schrott – Das ist normal!

Wenn du den Auslöser drückst, ist das Resultat Müll – im Normalfall. Das ist bei jedem so. In der Streetfotografie ist das normal. Die Strassenfotografen, die ich ich kenne, haben Ausschussraten von 95% und mehr.  

Schlechte Streetfotos sind normal.

Erfahrene Strrassenfotografen lernen aus ihren misslungenen Bildern, Anfänger teilen sie auf Facebook und fordern Lob ein.

8. Üben!

Streetfotografie ist wie ein Instrument spielen oder eine Sportart betreiben. Jeder Erfolg ist das Ergebnis von Training, Training und noch mehr Training. Und nur mit viel Training kannst du gute Bilder machen. Und wie sagte Henri Cartier Bresson sagte: „Man muss die Kuh viel melken, um nur ein wenig Käse zu erhalten.“

9. Lass Andere  deine Streetfotos beurteilen!

Die eigenen Bilder selber zu beurteilen, ist schwer. Wir sind nicht wirklich die besten Kritiker unserer eigenen Arbeit. Bitte jemand, dessen Urteil du vertraust, um seine ehrliche Meinung und sei offen für kritisches Feedback. Persönlich ist mir das feedback von zwei Gruppen wichtig: Komplette Laien ohne jede fotografische Ausbildung oder Fotografen, deren Werk ich schätze.

10. Finde deine Botschaft!

Was möchtest du ausdrücken mit deinen Streetfotos? Was interessiert dich? Welche Motive ziehen dich an? Die Antwort auf diese Fragen werden dir helfen, deinen eigenen Stil zu finden und weiterzuentwickeln. Nur du kannst deinen fotografischen Weg finden, deine eigenen Bilder zu analysieren , hilft dir dabei.

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11. Lerne deine Kamera kennen!

Wenn du auf der Strasse bist, dann ist deine Kamera einfach ein Werkzeug. Und dieses Werkzeug hat eine einzige Aufgabe, zu funktionieren, ohne dich abzulenken. Damit das funktioniert, musst du deine Kamera in- und auswändig kennen:

  • Belichtungsmodus
  • Belichtungskorrektur
  • ISO
  • Autofokus
  • Belichtungsmessung

All das musst du bei Bedarf schnell ändern können, nicht auf der Couch, sondern auf der Strasse im regnerischen Halbdunkel. Niemand liest gerne Gebrauchsanweisungen, für erfolgreiche Strassenfotografie ist es ein Muss. Ebenso hilft enorm es, die Kamera auf deine Bedürfnisse anzupassen.

Genauso wichtig ist es die Grenzen deiner Kamera zu verstehen. Wie hoch kannst du die ISO ziehen und noch eine – für dich – akzeptable Bildqualität erreichen? Was ist die längste Belichtungszeit mit der du verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren kannst?

12. Konzentrieren und Vereinfachen!

Fotografie ist die Kunst der Reduktion. Ein Maler addiert Elemente zu einem Gemälde. Ein Fotograf subtrahiert Elemente, bis nur noch das im Bild übrig ist, was er zeigen möchte. Frag dich, welche Elemente wirklich wichtig sind für dein Bild. Versuche alle andere Elemente aus dem Bild zu nehmen. Konzentration bedeutet Verzicht. : Wer alles zeigen will, zeigt nichts. Auf der Strasse ist immer viel los.

Visuelle Unruhe zerstört die Bildwirkung. Es gibt vier einfache Möglichkeiten, dich auf die wesentlichen Bildelemente zu konzentrieren, damit dein Streetfoto besser wird:

  • Gehe näher ran
  • Fotografiere von oben oder
  • Fotografiere von unten.
  • Fotografiere im Hochformat.

 Vereinfachen gilt auch für deine Ausrüstung: Eine Kamera mit einem Objektiv plus zusätzliche Akkus und Speicherkarten ist alles, was du im Normalfall brauchst. Alles andere ist überflüssiges gepäck, dass dich auf der Strasse langsamer macht.

Exezellente Streetfotografie ist reduziert und fokussiert.

13. Bleib an der Szene dran!

Wenn etwas Spannendes passiert, mache mehr als nur ein Bild. Fang an zu fotografieren, sobald es los geht, bleib dabei, beweg dich, geh näher ran und höre erst auf zu fotografieren, wenn die Szene zu Ende ist. Die Chance ein gutes Streetfoto von einer Szene zu bekommen, ist ungleich viel höher, wenn du aus 10 Bildern auswählen kannst.

14. Achte auf den Hintergrund!

Der Hintergrund ist integraler Bestandteil jedes Streetfotos. Gute Strassenfotografie integriert den Hintergrund. Im Idealfall wird er das primäre Motiv unterstützen. Und im schlechtesten Fall ist er so unruhig, dass die gesamte Bildwirkung aufgehoben wird. Ein Streetfoto lässt sich auch sehr gut über den Hintergrund aufbauen, das hat für die Strassenfotografie von Henri Cartier-Bresson sehr gut funktioniert und das wird es auch für dich tun.

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Gute Strassenfotografie integriert den Hintergrund.

15. Sei geduldig – gute Streetfotos brauchen Zeit!

Ein gutes Streetfoto ist das Zusammenspiel aus fotografischem Können, Glück und Beharrungsvermögen. Das braucht Zeit. Und es gibt eine Abkürzungen. Diese Strassenfotografie Tipps sind als Anregung und Inspiration gedacht.

Drei Strassenfotografie Tipps: Üben, Üben, Üben!

Ich denke, jeder kann exzellente Streetfotos machen. Das Wichtigste auf diesem Weg: Üben, Lernen von Bildsprache und die Bereitschaft, die Qualität der eigenen Bilder rücksichtslos zu hinterfragen.

Wie bei jeder Kunstrichtung geht es auch bei der Strassenfotografie darum, eine eigene Stimme zu entwickeln. Und das kannst nur du selbst.

Mehr zum Thema Streetfotografie findest du auf meinem Strassenfotografie Blog

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